Sonntag, 22. Februar 2026, 10 Uhr
Gottesdienst in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau mit Liveübertragung im Deutschlandfunk
zum 83. Todestag von Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst

Am 22. Februar 1943 ermordete die NS-Justiz im Gefängnis München-Stadelheim unmittelbar hintereinander mit dem Fallbeil Sophie Scholl (21), Hans Scholl (24) und Christoph Probst (23). Die drei jungen Erwachsenen gehörten zum Kern des studentischen Widerstandskreises Weiße Rose, der ab Sommer 1942 mit Flugblättern und anderen Aktionen zum Sturz des NS-Regimes aufrief.
Wir erinnern zum 83. Todestag an ihren mutigen Widerstand und lassen sie gewissermaßen selbst zu Wort kommen. Die aus dem Bayerischen Rundfunk bekannte Sprecherin Julia Cortis liest aus ihren Briefen. Die junge Sängerin Helena Huber trägt Lieder vor, die für Sophie Scholl von besonderer Bedeutung waren, begleitet von Franz Wich. Die Predigt übernimmt an diesem ersten Sonntag in der Passionszeit Oberkirchenrat Thomas Prieto Peral, Regionalbischof im Kirchenkreis Schwaben-Altbayern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die liturgische Leitung liegt bei Kirchenrat Björn Mensing von der Versöhnungskirche. Katharina Versluis-Probst, Enkeltochter von Christoph Probst, reist aus den Niederlanden an und spricht über sein Vermächtnis für die Familie. Marlene Anwender (18), Schülerin des Münchner Sophie-Scholl-Gymnasiums, sagt, was die Namensgeberin ihrer Schule heute für sie bedeutet.
Im Fürbittengebet denkt Khrystyna Maksymliuk (21), Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) an der Versöhnungskirche, an die Menschen in ihrer Heimat. Seit vier Jahren leidet die Ukraine unter dem vom russischen Diktator Putin befohlenen mörderischen Angriffskrieg. Schon die Weiße Rose hatte im fünften Flugblatt den „Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten“ und ein Ende des „imperialistischen Machtgedankens“ gefordert.
Der öffentliche Gottesdienst wird von 10.05 Uhr bis 11.00 Uhr live vom Deutschlandfunk (DLF) übertragen; jeden Sonntag hören etwa 390.000 Menschen den DLF-Radiogottesdienst.
Der Gottesdienst kann später auch nachgehört werden: https://www.deutschlandfunk.de/gottesdienst-100.html
Liedblatt der Gemeinde auf unserer Homepage http://www.evangelisch-im-br.de
Mit diesem digitalen Liedblatt können Sie den Gottesdienst zu Hause mitfeiern. Laden Sie diese Seite am besten auf ein Tablet oder Handy und feiern und singen Sie mit.
Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Gottesdienst!
Glocken
Melodie EG 452
Begrüßung
Liturgischer Gruß
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen
EG 452, 1+2 Er weckt mich alle Morgen
1. Er weckt mich alle Morgen,
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist er mir nah und spricht.
2. Er spricht wie an dem Tage,
da er die Welt erschuf.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als sein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue,
die Gott uns Menschen schwört,
erfahre ich aufs Neue
so, wie ein Jünger hört.
Psalm 90
Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir / wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässt sie dahinfahren wie einen Strom, / sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst, das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.
Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Ehre sei dem Vater und Sohn und dem Heiligen Geist
Wie es war im Anfang, jetzt und allezeit, und in Ewigkeit Amen.
Lied Der Wanderer an den Mond
Ich auf der Erd‘, am Himmel du
Wir wandern Beide rüstig zu: –
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wol seyn?
Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Bergauf, bergab, waldein, waldaus,
Doch nirgend bin ich ach ! zu Haus.
Du aber wanderst auf und ab
Aus Westens Wieg‘ in Ostens Grab, –
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.
Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland:
O glücklich, wer wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht!
(T: Johann Gabriel Seidl, M: Franz Schubert)
Evangelium Matthäus 4, 1-11
Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.
Glaubensbekenntnis nach Dietrich Bonhoeffer
Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet. Amen
EG 430, 1-3 Gib Frieden, Herr, gib Frieden
1. Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
die Welt nimmt schlimmen Lauf.
Recht wird durch Macht entschieden,
wer lügt, liegt obenauf.
Das Unrecht geht im Schwange,
wer stark ist, der gewinnt.
Wir rufen: Herr, wie lange?
Hilf uns, die friedlos sind.
2. Gib Frieden, Herr, wir bitten!
Die Erde wartet sehr.
Es wird so viel gelitten,
die Furcht wächst mehr und mehr.
Die Horizonte grollen,
der Glaube spinnt sich ein.
Hilf, wenn wir weichen wollen,
und lass uns nicht allein.
(Solo) 3. Gib Frieden, Herr, wir bitten!
Du selbst bist, was uns fehlt.
Du hast für uns gelitten,
hast unsern Streit erwählt,
damit wir leben könnten,
in Ängsten und doch frei,
und jedem Freude gönnten,
wie Feind er uns auch sei.
Predigt I zu Mt 4, 1-11
Briefe von Sophie Scholl
Lied Du bist die Ruh
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!
(T: Friedrich Rückert, M: Franz Schubert)
Predigt II
Briefe von Hans Scholl
Lied EG 427 Solang es Menschen gibt auf Erden
(Solo) 1. Solang es Menschen gibt auf Erden,
solang die Erde Früchte trägt,
solang bist du uns allen Vater,
wir danken dir für das, was lebt.
2. Solang die Menschen Worte sprechen,
solang dein Wort zum Frieden ruft,
solang hast du uns nicht verlassen.
In Jesu Namen danken wir.
(Solo) 3. Du nährst die Vögel in den Bäumen.
Du schmückst die Blumen auf dem Feld.
Du machst ein Ende meinem Sorgen,
hast alle Tage schon bedacht.
4. Du bist das Licht, schenkst uns das Leben,
du holst die Welt aus ihrem Tod,
gibst deinen Sohn in unsre Hände,
er ist das Brot, das uns vereint.
Predigt III
Briefe von Christoph Probst
EG 98, 1-3 Korn, das in die Erde
1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt –
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.
Statements von Katharina Versluis-Probst und Marlene Anwender
Lied We shall overcome
(Solo) 1.We shall overcome, we shall overcome, we shall overcome some day.
Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some day.
Fürbitten
Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied We shall overcome
2. We shall be alright, we shall be alright, we shall be alright someday.
Oh, deep in my heart, I do believe, we shall overcome some day.
3. We are not afraid, we are not afraid, we are not afraid today.
Oh, deep in my heart, I do believe, we shall overcome some day.
4. We shall live in peace, we shall live in peace, we shall live in peace some day.
Oh, deep in my heart, I do believe, we shall overcome some day.
Sendung
Segen
Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen
Choral „Sonne der Gerechtigkeit” Instrumental
Mitwirkende
Regionalbischof Thomas Prieto Peral
Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker
Katharina Versluis-Probst, Enkeltochter von Christoph Probst
Marlene Anwender, Schülerin am Sophie-Scholl-Gymnasium München
Khrystyna Maksymliuk (Fürbitte), Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste aus der Ukraine
Julia Cortis, Sprecherin und Moderatorin in Hörfunk, Fernsehen und auf der Bühne
Helena Huber, Gesang
Franz Wich, E-Piano
Die kirchliche Leitung liegt bei Kirchenrätin Melitta Müller-Hansen, die redaktionelle Verantwortung bei Pfarrer Martin Vorländer.
Alle weiteren Texte in Kürze abrufbar auf unserer Homepage: http://www.evangelisch-im-br.de
Man hätte auch auf die Haltung beider Amtskirchen im NS eingehen können und ihr Versagen.Die Einführung des Arierparagraphen im protestantischen Bereich und das Konkordat der Katholischen Kirche sind leider Beispiele der Unterwerfung.Von den Aktivitäten der Deutschen Christen und der Einsetzung von Reichsbischof Ludwig Müller wollen wir gar nicht sprechen.Leider gab es in Dachau auch einen speziellen „Pfaffenblock“,in dem etliche Kleriker aus dem besetzten Polen zu leiden hatten.
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sehr geehrte Frau Pischke,
vielen Dank für Ihren Kommentar, den wir an die Beteiligten weitergeleitet haben.
Freundliche Grüße
Kerstin Täubner-Benicke
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